Die Influencer sind schuld – oder etwa doch nicht?

Ein wunderschöner Strand, ein versteckter Aussichtspunkt oder ein kleines Café wird auf Instagram gezeigt – und kurze Zeit später heißt es:

„Seit die Influencer das gepostet haben, ist es dort völlig überlaufen.“

Ein Satz, den man ständig liest. Aber macht man es sich damit nicht ein bisschen zu einfach?

Wir lassen uns doch alle inspirieren


Auch ich entdecke durch Instagram, Pinterest oder Reiseblogs besondere Orte, Unterkünfte und Restaurants. Manche davon hätte ich ohne Social Media wahrscheinlich niemals gefunden.

Und genau davon leben diese Plattformen: Menschen zeigen, was sie erlebt haben, und andere lassen sich davon inspirieren.

Problematisch wird es offenbar erst dann, wenn zu viele Menschen dieselbe Idee haben. Plötzlich wird gemeckert, der frühere „Geheimtipp“ sei zerstört worden und man hätte diesen Ort besser nicht öffentlich gezeigt.

Aber wem gehört ein schöner Ort eigentlich?

Nur weil jemand schon vor zehn Jahren dort war, hat er nicht automatisch mehr Recht darauf als alle, die ihn erst heute entdecken.

Nicht das Teilen ist das Problem

Natürlich können soziale Medien dafür sorgen, dass ein Ort innerhalb kurzer Zeit sehr bekannt wird. Das eigentliche Problem ist für mich aber nicht das Foto oder der Beitrag.

Das Problem beginnt dort, wo Menschen sich respektlos verhalten: wenn Müll liegen bleibt, Absperrungen ignoriert, Pflanzen zertrampelt oder Privatgrundstücke für das perfekte Foto betreten werden.

Dafür trägt jeder selbst die Verantwortung.

Nicht jeder, der einen Ort durch Instagram entdeckt, benimmt sich automatisch daneben. Und nicht jeder Influencer kann dafür verantwortlich gemacht werden, was andere Menschen später daraus machen.

Inspiration – aber bitte nur für uns?


Wir schauen Reisevideos, speichern Beiträge ab und freuen uns über Geheimtipps. Wir möchten wissen, wo das Wasser besonders türkis ist, welches Café sich lohnt und wo der Sonnenuntergang am schönsten aussieht.

Aber sobald andere dieselben Tipps nutzen, sind plötzlich die Influencer schuld.

Wir möchten Inspiration – nur bitte möglichst exklusiv.

Ich finde, besondere Orte dürfen gezeigt und geteilt werden. Gleichzeitig sollten wir respektvoll mit ihnen umgehen und uns bewusst machen, dass auch wir selbst Teil der Menschenmenge sind.

Vielleicht sollten wir deshalb weniger fragen:

„Wer hat diesen Ort bekannt gemacht?“

Und stattdessen überlegen:

„Wie können wir dafür sorgen, dass er trotzdem schön bleibt?“

Denn am Ende brauchen wir nicht weniger Inspiration, sondern mehr Rücksicht, mehr Eigenverantwortung – und vielleicht auch ein kleines bisschen weniger Gemecker.

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