Alleine unterwegs – zwischen Abschied, Ankommen und mir selbst

Mittwochvormittag war ich noch ganz normal arbeiten.
Nach dem Mittag ging es dann los – Richtung Reha.

Mit dabei: ein großer Koffer voller Kleidung, ein kleines Handgepäck mit Kosmetik, Föhn & Co., eine große Tasche mit Tee, Snacks und allem, was man eben so braucht – und ein Rucksack für die erste Zwischenübernachtung.

Die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag habe ich in einem Self-Hotel in Neu-Ulm verbracht.
Die Fahrt selbst verlief entspannt – aber der Abschied fiel mir unglaublich schwer.

So lange war ich noch nie von meinem Mann getrennt.
Nach 14 Jahren ist das ein Gefühl, das man erstmal einordnen muss.

Am nächsten Morgen ging es nach einem kurzen Frühstück weiter nach Bad Waldsee.

Das Einchecken im Rehazentrum lief problemlos. Nach einer kurzen Einweisung konnte ich mein Gepäck aufs Zimmer bringen und hatte direkt meine Aufnahmeuntersuchung bei einer sehr netten Ärztin. Wir haben uns lange unterhalten – ein schöner Start, der direkt etwas Ruhe reingebracht hat.

Beim Mittagessen wurde mir mein Platz zugewiesen – bei total lieben Mädels und Damen.
So ein kleiner Moment, der vieles direkt leichter macht.

Am Nachmittag hatte ich noch ein kurzes Gespräch bei der Betreuung, danach war erstmal Zeit zum Ankommen.

Ich habe in Ruhe meine Koffer ausgepackt und bin anschließend direkt in die Stadt gelaufen.
Einfach ein bisschen schauen, die Umgebung wahrnehmen, runterkommen.

In einem Café habe ich mir eine Pause gegönnt – und genau da kam dieses Gefühl:
Ich hab das gerade alleine gemacht.

Und irgendwie war ich ziemlich stolz auf mich.

Am Abend ging es noch mit ein paar Mädels etwas trinken.
Ein Cocktail in einer schönen Bar – und dann einfach nur noch ins Bett fallen.

Der Alltag hier hat am nächsten Tag ganz von selbst begonnen.

Am Samstag habe ich alleine einen Ausflug nach Ravensburg gemacht.
Ich bin durch die Stadt gelaufen, habe mir einen Kaffee geholt, über einen großen Markt geschlendert, etwas gegessen und die Sonne genossen.

Und ja – es war ungewohnt, das alles alleine zu erleben.
Niemand, mit dem man sich direkt austauscht.
Niemand, der den Moment genauso wahrnimmt.

Aber gleichzeitig – und das ist irgendwie das Verrückte daran – war es auch schön.

Alleine zu sein.
Meine Ruhe zu haben.
Mich treiben zu lassen.

Gerade bei Kleinigkeiten, wie ewig vor einem Regal zu stehen und sich nicht entscheiden zu können, ist es plötzlich ganz angenehm, wenn niemand daneben steht. 😄

Abends auf dem Zimmer wird es dann manchmal leiser.
Und auch ein bisschen schwerer.

Mir fehlt meine gewohnte Umgebung. Und vor allem mein Mann.

Wenn wir sonst unterwegs sind, habe ich dieses Gefühl nicht.
Aber da ist er ja auch immer dabei – ein Stück Zuhause.

Hier ist das anders.

Umso mehr bedeuten mir die täglichen Telefonate, Nachrichten mit Freunden oder auch einfach ein Blick in die Storys von Zuhause.

Und gleichzeitig merke ich, dass ich mich auch auf die Zeit hier einlasse.
Darauf, was sie mit mir macht – körperlich, aber auch im Kopf.

Es ist ein ständiges Hin und Her.

Zwischen vermissen und genießen.
Zwischen Unsicherheit und Stolz.
Zwischen alleine sein und genau das vielleicht gerade brauchen.

Alleine unterwegs zu sein fühlt sich nicht immer leicht an.
Aber manchmal entdeckt man genau darin Seiten an sich, für die im Alltag sonst kein Raum ist.

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